Ohrenspitzer

Was ist Hören?

Dieser Frage will das Ensemble thélème in seinem künstlerischen und kulturellen Bildungsprojekt zusammen mit einem jungen Publikum nachgehen. Und mit dieser Frage beginnt alles. Allein schon sie zu stellen, eröffnet neue Perspektiven. Im Alltag beantworten wir sie allzu eilig. Die Klänge, unsere Stimme und die der anderen, die Musik, die Geräusche der Natur und die Stille selbst werden rasch und überstürzt eingefangen und weggetan. Unser Lebensrhythmus zwingt uns, die vielen Geräusche um uns herum nur beiläufig wahrzunehmen, uns davor abzuschirmen oder sie hinzunehmen und in uns eindringen zu lassen, bis wir sie vergessen und ihnen gegenüber taub werden.

Doch wie hört man richtig zu? Diese Frage lässt sich durchaus beantworten, denn es gibt sehr bestimmte Wege und Kanäle, wie Stimmen und Klänge zu uns gelangen. Wir sind uns dessen heutzutage nicht mehr so bewusst, vergessen, übersehen oder vernachlässigen sie. Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken, und zwar in jedem Alter, genauso, wie wir auch in jedem Alter Neues dazulernen oder altes Wissen wieder auffrischen. Richtig hören bedeutet zu allererst «freiwillig hören», «aufmerksam zuhören und verstehen wollen». Es bedeutet, «die Geräusche anderer aktiv wahrzunehmen, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken» und sie «verstehen zu wollen».

Und diese Art des Arbeitens bietet das Ensemble thélème an.

Es betrachtet das Zuhören als eine aktive, positive und wohlwollende Haltung unserer Umgebung gegenüber. Eine Haltung, die notwendig ist für eine gut funktionierende Kommunikation und ein harmonisches Zusammenleben. Zuhören ist ein Zeichen von Respekt und Interesse und gleichzeitig ein wesentlicher Bestandteil des Musikmachens. Denn wenn man Musik macht, dann spielt sie auch im Stillen, wenn wir selbst keine Töne produzieren. Zuhören ist ebenso wichtig wie die Klangerzeugung selbst.

Zuhören ist bereits Musizieren.

 

Die Idee des gemeinsamen musikalischen Erlebnisses

Das Projekt des Ensembles thélème soll dem jungen Publikum zeigen, dass Musik nicht nur zur Aufführung oder zum Profit praktiziert werden muss, sondern in erster Linie eine gemeinschaftliche Praxis ist.

Inspiriert von der Lebenslust und der Freude am Zusammensein der Musiker aus der Renaissance, für die es den Begriff des Konzerts nicht gab, besteht die Idee des Ensemble thélème darin, Musik zu machen, die man gemeinsam geniessen kann. Gute Musik braucht keine öffentliche Aufführung auf einer Bühne. Sie muss nicht für einen bestimmten Ort mit Zuschauern und reservierten Plätzen und finanziellen Einnahmen.

Das Augenmerk von thélème gilt nicht der Inszenierung eines Spektakels, sondern der Entdeckung und der Begegnung der Zuhörenden – Menschen, die ihre Leidenschaften oder ihre müssigen Neigungen, ihre Misserfolge, ihre Hoffnungen, ihre Freuden und ihre Geheimnisse zusammenbringen.

Daher hat thélème in seiner Tätigkeit verschiedene Modalitäten der öffentlichen Begegnung entwickelt. Aus diesen Erfahrungen schöpft es seine Inspiration für dieses Bildungsprogramm, das den Begriffs des Konsumierens im Zusammenhang mit der Musik neu gestalten möchte. Es soll Einigkeit und Harmonie geschaffen werden zwischen Interpretierenden und Zuhörenden von Musik.

Eine Workshopreihe, die beispielsweise einem Teil des Schuljahres entspräche, wir daher nicht durch eine Abschlussproduktion beendet. Allerdings werden die Eltern, Musik- und Lehrpersonen, wie auch externe Personen eingeladen, die Künstler des Ensembles in seinem alternativen musikalischen Programm singen zu hören, und all das wird dann jeweils mit den Schülern konzipiert, konstruiert, präsentiert und von ihnen erklärt sein. Es geht dann aber nicht darum, etwas aufzuführen, sondern lediglich darum, einen Einblick zu gewähren in das, was Kinder und Künstler zusammen entdeckt, erfahren und erzeugt haben.

 

 

Das Programm Ohrenspitzer kann an jedes Alter und jeden Kontext angepasst werden.

Ein detailliertes Dossier ist auf Anfrage erhältlich, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.