No me Abandones en el Caos

Musik als „Kunst“, wie wir sie heute verstehen, ist ein relativ neuer Begriff. Ursprünglich war sie ein integraler Bestandteil der Rituale der Feier des Gottesdienstes. Während der Renaissance war die Musik auch eines der Werkzeuge für die Evangelisierung der indigenen Völker. Das geistliche südamerikanische Musikrepertoire des 17. Jahrhunderts ist somit untrennbar mit der Rolle der Kirche in der Kolonisation verbunden. 

Im 16. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen die wichtigsten Komponisten Amerikas von der Iberischen Halbinsel, auf dem alten Kontinent. Zu dieser Zeit waren die Kapellmeister gebürtige Europäer, obwohl sie die meisten ihrer Werke auf dem neuen Kontinent schrieben; dies ist zum Beispiel bei Juan Gutiérrez de Padilla (ca. 1590 - 1664) der Fall.

Als man begann, die Musik der amerikanischen Kathedralen zu studieren, galt Francisco López Capillas (1614 - 1674) als ein geschickter Komponist von größter Bedeutung im siebzehnten Jahrhundert. Diese Figur war zwischen 1654 und 1674 der Kapellmeister der Kathedrale von Mexiko-Stadt, und es wurde ursprünglich angenommen, dass er irgendwo in Europa geboren wurde. 1977 gab der Forscher Robert Stevenson die Entdeckung des Testaments von López Capillas bekannt, aus dem hervorging, dass der berühmte Komponist in Mexiko-Stadt geboren wurde. Francisco López Capillas, wahrscheinlich Metis, ist damit einer der ersten Vertreter einer Generation von Musikern, die ausschließlich außerhalb Europas lebte und arbeitete.

Mit dem Wunsch, neue Verbindungen zum südamerikanischen Kontinent zu schaffen, gab thélème bei dem argentinischen Komponisten Alex Nante (*1992) ein neues Werk in Auftrag. „Pistis Sophia“ vertonte Auszüge aus einer gnostischen Abhandlung des 4. Jahrhunderts, Pistis Sophía.

Für dieses Projekt schliesst sich thélème mit der Schweizer Musikerin Noémi Büchi zusammen und erarbeitet mit ihr eine Klangdramaturgie. Für dieses Projekt lässt sie sich von Glockenklängen und volkstümlichen Rhythmen inspirieren und unterzieht sie elektronischen Transformationen und Behandlungen.

 

Die insgesamt fünf Konzerte finden in Koproduktion mit dem Festival culturescapes statt. 

 

Repertoire

Mateo Flecha El Viejo (1481-1553)-El Fuego

Francisco Guerrero (1528-1599)-Salve Regina

Juan Gutiérrez de Padilla (ca. 1590-1664)-Tristis est Anima mea

Francisco López Capillas (1614-1674)-Aufer a nobis

Alex Nante (*1992)- Pistis Sophia

 

Konzertdaten

1) 10. Oktober 2021 - Teatro Sociale, Bellinzona - 17:00 Uhr

2) 12. Oktober 2021 - ZHdK, Kaskade, Zürich - 20:00 Uhr

3) 15. Oktober 2021 – Ehemaliges Restaurant Zollstübli, Elsässerstrasse 260, Basel - 20:00 Uhr

4) 17. Otkober 2021 - Kirche, Kloten - 17:00 Uhr

5) 23. November 2021 - Dorfkirche, Riehen - 20:00 Uhr

 

Besetzung

thélème

Julien Freymuth, Altus

Lior Leibovici, Tenor

Ivo Haun (2,5), Tenor

Matthieu Romanens (1,3,4), Tenor

Jean-Christophe Groffe, Bass und Leitung

Ziv Braha, Erzlaute

Cristina Alís Raurich, Organetto

Nicolas Buzzi (1-4), Live Elektronik

Noemi Büchi (5), Live Elektronik